Tintenfische und anderes Chaos

6. Oktober 2009:
"Die Tiefkühltheke muss ausgeräumt werden", ächzt mir mein Chef entgegen und verlässt den Laden. Es wirkt düsterer als sonst und irgendwie alles viel riesiger, als ich es gewöhnt bin. Und warum muss die Theke gerade jetzt ausgeräumt werden? Das ist doch erst gestern gemacht worden. Warum ist sie schon wieder eingeräumt?
Meine Kollegin und ich bekommen Hilfe von einigen Freiwilligen und anderen Aushilfen, die in meinem Alter sind.

Aber das Ausräumen ist viel seltsamer als sonst: Das Eis beginnt zu schmelzen, noch während wir ausräumen und die Türen der Truhen offen stehen haben. Langsam schwappt uns eiskaltes Wasser um die Füße, das immer mehr wird. Aber bin ich die Einzige, die das beängstigend finden? Alle tun so, als wäre das völlig normal. Auch die Freiwilligen räumen einfach weiter aus, obwohl sie so etwas zuvor nie miterlebt haben.
Und ich sehe zur Seite und bemerke einige Kollegen, die auf einem Floß sitzen. Ein Floß! Ich setze mich mit zu ihnen, aber sie warnen, dass die anderen besser auf die nächsten Rettungsboote warten sollen, sonst würde das Floß zu schwer und untergehen.
"Da ist es wieder", höre ich von einer Freiwilligen, sehe zur Seite, während meine Kolleginnen vom Floß aus gemächlich weiter ausräumen, und entdecke, wie sie mit einem Paddel nach einem riesigen Tintenfischarm schlägt. Der Arm verzieht sich wieder. Wieso wirken alle hier so routiniert und nur ich würde vor Angst am liebsten heulen?

"Der junge Mann wird euch helfen", sagt mein Chef, der plötzlich in einem Ruderboot vorbeifährt und einen Mann zu uns aufs Floß setzt, der etwa in meinem Alter sein muss. Ich kenne ihn, wir sind befreundet. Eine Kollegin sagt uns, wir seien zu schwer und er müsse wieder vom Floß runter. Ich gehe mit ihm auf ein anderes Floß rüber und wir arbeiten zusammen weiter.
Er wirkt nicht so routiniert wie die anderen, aber auch nicht so verängstigt wie ich und schafft es dadurch, mich etwas zu beruhigen. "Das wird schon", sagt er und lächelt mich an. Obwohl ich sitze, werden meine Knie weich, das spüre ich deutlich.

Mittagspause von diesem Fiasko. Wir steigen in das Eiswasser, das uns aber in diesem Moment nicht ansatzweise kalt vorkommt und waten bis zum Aufenthaltsraum die Treppen hoch. Einmal versucht einer der entflohenen Tintenfische mein Bein zu packen, aber dann tut er es doch nicht.
Als wir aus dem Wasser kommen, sind unsere Kleider trocken. Draußen scheint die Sonne und als ich zurück sehe, ist das Wasser weg, soweit ich sehen kann. Ich sehe wieder nach vorne, wo mein Freund war, aber der ist nun auf einmal hinter mir und nimmt meine Hand, als hätte er nur darauf gewartet, das uns niemand zusieht, was wir machen.

Wir sitzen im Aufenthaltsraum und wissen aus irgendeinem Grund ganz genau, dass niemand reinkommen wird. Aber etwas daraus machen, tun wir nicht. Wir reden nur miteinander. aber ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen. Er berührt immer wieder meine Hand und streichelt sie, während er mir zuhört oder während ich ihm zuhöre. Ich bin ganz vernarrt in seine schönen Augen und muss mich nicht einmal konzentrieren, wie sonst immer, um ihm zuzuhören. 

In diesem Moment bin ich aufgewacht. Mein Wecker hat geklingelt. Ich hätte ihn am liebsten ERSCHLAGEN! Aber um nur einmal EAV zu zitieren: "Aus Hand wird Faust, holt aus zum Schlag: Schon saust die Faust hernieder, auf meinen Wecker, ich glaub der läut' nie wieder!"
Also umgedreht und weiter schlafen. Blöder Traum, immer das gleiche, erst sowas Schönes vormachen und dann in die kalte Realität zurückziehen.

Aber ich bin auf einmal wieder in dem Laden. Und er, mein Freund, steht vor mir und hält meine Hände in seinen, schließt die Augen, weil wir Beide wissen, dass ich jetzt gehen muss und wir uns nicht wiedersehen werden. Entweder lange Zeit nicht oder tatsächlich nie wieder. Ich versuche nicht die übliche Klette zu spielen, das dumme Klammeräffchen, aber als er seinen Arm um mich legt, kann ich nicht anders, als ihn zu umarmen und meine Stirn ganz nah an seine Brust zu legen. Ich merke, dass er meine Umarmung genauso fest erwidert. Er flüstert mir Worte zu, die mich trösten sollen, aber die natürlich nichts bringen. Immer wieder streichelt er mir mit der Hand über den Rücken, aber es bringt nichts. Ich weine zwar nicht, aber mir ist danach zumute. Da dreht er sein Gesicht zu mir runter und gibt mir einen vorsichtigen Kuss auf den Mund, wonach er mich nochmals umarmt, ehe er mich richtig küsst, aber so an mich gekuschelt, als wollte er nicht, dass die anderen uns sehen. Und das ist mir auch Recht. Ich will mir vorstellen, dass sie weg sind. Genau wie er es bald sein wird...

Ich wache wieder auf. Mein Wecker wieder. Ich hatte ihn auf eine halbe Stunde eingestellt, damit ich noch etwas dösen kann. Ich bin zwar immer noch müde, aber bevor ich mir eine weitere Fortsetzung dieser Folter antue, stehe ich lieber müde auf. So schön der Traum auch war, so unangenehm war das Erwachen wieder einmal...

Von Tintenfischen zu einem Kuss? Was für eine groteske Verbindung...

7.10.09 11:24

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Judith (7.10.09 20:44)
xDDD mein Gott Sel, ich hab mich über den
Stuhl geschibbelt xDDD ich musste soooo lachen

dieser TINTENFISCH! XD

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